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George Tabori (in: Der Spielmacher)

TABORI: Wir sind alle krank.

Journalist: Wären wir gesund, sagen Sie, hätte es kein Auschwitz gegeben.

TABORI: Und keinen Beckett.

Journalist: Ist das nicht furchtbar?

TABORI: Was?

Journalist: Dass aus derselben Quelle das Schrecklichste und das Schönste entsteht.

TABORI: Es ist ein Witz, und jeder gute Witz ist eine Tragödie. Deshalb wird es das Theater noch geben, wenn es längst kein Kino und kein Fernsehen mehr gibt, als Abbild der Wirklichkeit und als Zuflucht für die, die es machen. Denn wir Theatermacher sind Fliehende. Wir retten uns in eine Art Utopie. Eine Theaterprobe spiegelt für kurze Zeit das ideale Leben wieder. Menschen treffen sich. Sie haben ein gemeinsames Ziel. Sie arbeiten. Sie diskutieren. Und am Ende findet nicht der Tod, sondern eine Premiere statt.

Journalist: Werden Sie darauf verzichten könnten?

TABORI: Wahrscheinlich nicht.